Die wahre Inflation – Versuch einer Definition oder – was ist das eigentlich?

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Die Europäische Zentralbank hat vor kurzem angekündigt, das ihr Ziel eine Inflation von 2 % ist. Klingt ja erst einmal nicht viel: genau so wird dies in den üblichen Medien auch dargestellt. Als sei dies etwas Positives. Genau das Gegenteil ist aber der Fall – es ist die Verteuerung des Lebensunterhaltes und die schleichende Enteignung aller Sparer.

Bei vielen Menschen in der Bevölkerung ist die Inflation auch gefühlt etwas Negatives. Einige –  wenn auch nicht viele – wissen noch etwas von der Hyperinflation 1929 in Deutschland, wo ein Brot schon mal 3 Milliarden Mark kostete. Es war eine zeitlang sogar günstiger, mit Papiergeld zu heizen als mit Kohlen.

Bei ganz vielen sind diese historischen Ereignisse in Vergessenheit geraten. Dabei waren die Folgen für die Menschen damals lebensbedrohend und enteigneten zudem nahezu die gesamte Bevölkerung.

 

  1. Begrifflichkeit

Der Begriff ´Inflation´ leitet sich zunächst aus dem lateinischen Wort inflare ab und bedeutet aufblähen, sich aufblasen.

Aufgebläht wird dabei die Geldmenge.

 

  1. Geldmenge und Gütermenge

Um das Phänomen Inflation zu verstehen muss man  zunächst die 2 Kernelemente der Inflation betrachten – die Geldmenge auf der einen Seite, die Gütermenge auf der anderen Seite.

Keine Inflation besteht somit grundsätzlich dann, wenn die Geldmenge und die Gütermenge in gleichem Umfange wachsen. Wird in einer Wirtschaft die Geldmenge erhöht und gleichzeitig aber auch in gleichem wertmäßigen Umfang die Gütermenge erhöht, liegt eine zeitgleiche Erhöhung beider Kernelemente vor;  die Inflation ist null.

Wird nunmehr allerdings die Geldmenge erhöht („aufgebläht“), wobei die Gütermenge jedoch gleich bleibt, so liegt Inflation vor. Dies bedeutet im Ergebnis eine Geldentwertung, da sich diese größere Geldmenge auf eine kleinere Gütermenge verteilt.

Vereinfachtes Beispiel:

Es gibt 1.000 € und 1000 Kilogramm Mehl. In diesem Fall bekomme ich idealerweise für 1 €  genau 1 Kg Mehl.

Wird die Geldmenge jedoch nun von 1.000  € auf 2.000 € erhöht, so benötige ich zum Kauf von einem Kilo Mehl nun 2 €.
Dies bedeutet gleichzeitig, dass ich anfangs für 1 €  genau 1 Kilo bekommen habe, jetzt jedoch für den gleichen Betrag  nur noch 1/2 Kilo. Mein 1 € hat somit die Hälfte seiner Kaufkraft eingebüßt.

  1. Ermittlung der tatsächlichen Inflation

Zur Ermittlung der tatsächlichen Inflation benötige ich daher die Geldmenge und die Gütermenge, welche in Form des Bruttoinlandproduktes abgebildet wird. Durch den Vergleich der Werte des Vorjahres kann dann der Zuwachs ermittelt werden

In der Wirtschaftstheorie gibt es grundsätzlich drei Geldmengen, M1, M2 und M3.

– Die Geldmenge M1 umfasst den Bargeldumlauf und täglich fällige Einlagen

– Die Geldmenge M2 umfasst zusätzlich zu Geldmenge M1 Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten und Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu zwei Jahren.

– Die Geldmenge M3 umfasst die Geldmenge M2 plus Wertpapierpensionsgeschäfte, Geldmarktfondsanteile, Geldmarktspapiere sowie Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren.

Für die Ermittlung der wahren Inflation wird die Geldmenge M3 herangezogen.

Nur als Randnotiz sei erwähnt, dass die USA seit 2006 keine Geldmenge M3 offiziell mehr angeben.

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist diese Geldmenge durch die unbegrenzte Gelddruckerei der privaten US- Notenbank so extrem angewachsen, dass sich daraus eine massive Inflation ergibt.
Die soll der Öffentlichkeit jedoch verschwiegen werden.

Als zweiten Wert benötigt man nun das Bruttoinlandsprodukt, d.h. der Gesamtwert aller Dienstleistungen und Waren, die in einem Jahr im jeweiligen Wirtschaftraum hergestellt wurden.

 

 

       EU       Euroraum
    28 Länder      19 Länder         EU    Eurozone
Jahr                Zuwachs des            Bruttoinlandsprodukts    Zuwachs der         wahre Inflation
BIP in % Geldmenge M3  in  %            in %           in %
2017    ca. 1,9      ca. 1,7     4,9     3     3,2
2016      1,9      1,8     4,9     3     3,1
2015      2,2     2     5,1     2,9     3,1
2014      1,7     1,2     4,8     3,1     3,6
2013     0,2     -0,3     2,4     2,2     2,5
2012    -0,5     -0,9     2,9     3,4     3,8
2011      1,7     1,5     2,2     0,5     0,7
2010     2,1     2,1     0,5     -1,6     -3,7
2009    -4,4     – 4,5     3,3     7,7     12,2
2008     0,4     0,4     9,7     9,3     9,3
2007     3,1     3     11,2     8,1     8,2
2006     3,3     3,2     9,6     6,3     3,1
2005     2,1     1,7     7,5     5,4    5,8

 

 

Daraus ist deutlich erkennbar, wie hoch die tatsächliche, wahre Inflation ist.

 

  1. Verbraucherpreisindex

Sofern in den Medien von Inflation gesprochen wird, verwenden diese jedoch nicht die wahre Inflation, sondern beziehen sich auf den sogenannten Verbraucherpreisindex. Bei diesem Verbraucherpreisindex wird anhand eines aus verschiedenen Produkten und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs gebildeten Warenkorbs verglichen, ob sich die Preise für die enthaltenen Produkte erhöht haben.

Dabei gibt es jedoch eine Reihe von Möglichkeiten, diesen Verbraucherindex zu manipulieren. Zum Beispiel dadurch, dass bestimmte Produkte und Dienstleistungen in den Warenkorb gar nicht aufgenommen werden oder mit einer zu geringen Gewichtung innerhalb des Warenkorbes.

Daher ist auch kein Wunder, dass die wahre Inflation und der Verbraucherpreisindex ganz unterschiedlich ausfallen:

Tabelle:

      EU      Eurozone   Verbraucherpreisindex                     Deutschland
Jahr         wahre Inflation     Zuwachs
           in %           in %
2017     3     3,2
2016     3     3,1      0,5
2015    2,9     3,1      0,3
2014    3,1     3,6      0,9
2013    2,2     2,5      1,5
2012    3,4     3,8       2
2011    0,5     0,7      2,1
2010    -1,6    -3,7      1,1
2009    7,7     12,2      0,3
2008    9,3     9,3      2,6
2007    8,1     8,2      2,3
2006    6,3     3,1      1,5
2005    5,4     5,8      1,6

 

  1. Folgen der Inflation

a) Preissteigerungen

Die Folge der Inflation sind Preissteigerungen. Je nachdem, in welcher Phase einer Inflation wir uns befinden, handelt es sich dabei um eine schleichende Inflation, eine galoppierende Inflation oder um eine Hyperinflation.

Bei der schleichenden Inflation erfolgt der Preisanstieg allmählich und in geringem Ausmaß, jedoch nicht um mehr als 5 % pro Jahr. Die Inflation ist in diesem Fall nur sichtbar, wenn man genau die aktuellen Preise mit denen aus der Vergangenheit vergleicht. Wird beispielsweise im Verlauf eines Jahres die Butter statt für einen Euro, nun für 1,05 € angeboten, so ist dies eine Inflation in Bezug auf dieses Produkt von 5 %.

Bei der galoppierenden Inflation dagegen steigen die Preise weitaus schneller an. Wenn nach dem vorgenannten Beispiel die Butter auf einmal 1,40 € kostet, so ist dies ein Preisanstieg um 40 %. Sind auch andere Produkte in dem Ausmaß gestiegen, befinden wir uns bereits in einer galoppierenden Inflation.

In der Regel ist es so, dass die Preise schneller steigen als die Einkommen. D.h., dass die Preisstabilität nicht mehr gewährleistet ist und die Menschen sich real weniger kaufen können. Es ist somit ein Kaufkraftverlust eingetreten.

An sich  ist die Preisstabilität die ureigenste Aufgabe der Zentralbanken, welche die Wahrung der Preisstabilität  jedoch in den vergangenen Jahren vollkommen aus dem Blick verloren haben.

Von Hyperinflation spricht man dann, wenn die Preise innerhalb eines Monats um 30%, 40%  oder 50 % steigen. Aufs Jahr gesehen führt dies zu einer Inflation von rund 500 %. Derartiges sehen wir derzeit (Juli 2017) konkret in Venezuela.

b) Schulden verringern sich wertmäßig

Nutznießer einer Inflation sind Schuldner. Für den Fall, dass diese feste Zinsen mit ihren Gläubigern vereinbart haben, sinken im Verhältnis zu den Preisen die Schulden. Extrembeispiel sind hier die Jahre 1919-1923. Aufgrund der Hyperinflation musste man für einen Apfel  zeitweise vielleicht ca. 3 Milliarden Reichsmark bezahlen. D.h., mit einem Apfel war es theoretisch möglich, bei der Bank bestehende Schulden in Höhe von 3 Milliarden Reichsmark zu tilgen (sofern diese den Apfel als Tilgungsersatz akzeptieren).

Auf diese Weise haben sich seinerzeit die Schuldner mit Leichtigkeit entschuldet.

Zu den größten Schuldnern unserer Zeit gehören die öffentlichen Haushalte und der Staat. Diese sind weltweit beinahe ausnahmslos horrend verschuldet. Traurige Spitzreiter sind Japan und die USA. Diese sind seit Jahrzehnten an sich bereits insolvent, halten sich nur durch unbeschränktes Gelddrucken Ihrer Notenbanken künstlich am Leben. Dazu 3 Links:

Schuldenuhr USA 

Schulden Europa/Welt

Spiegel-Bericht zu den Weltschulden lt. Studie von Mc Kinsey

Über eine Inflation kann sich ein Staat somit ohne Weiteres entschulden.

c) Enteignung von Spareinlagen aufgrund des Wertverlustes

Traurig sieht es hingegen für die vielen Menschen aus, welche ihr Geld in Form von Spareinlagen bei Banken und Sparkassen eingezahlt haben. Auch deren Werte sinken natürlich in gleichem Maße.

Bei einer jährlichen Inflation von 10 % ist eine Spareinlage von 100.000 € nach einem Jahr nur noch 90.000 € wert.

Dies ist insbesondere ein ganz wesentlicher Aspekt im Rahmen der Altersvorsorge. Viele Menschen, welche ihr Geld dritten Organisationen wie Banken und Versicherungen übergeben, in der Hoffnung, damit für ihre Altersvorsorge zu sparen, haben bei der Auswahl der richtigen Produkte nicht nur die Rendite der Anlagen zu beachten, sondern müssen auch mit einkalkulieren, dass in Jahren bzw. Jahrzehnten die Werte nominal zwar noch bestehen können, jedoch an Wert verloren haben. (D.h., beispielsweise 100.000 € befinden sich zwar noch auf dem Kontoauszug, Kaufkraft hat dieser Betrag jedoch nur noch in Höhe von 90.000 €.

Dies bedeutet, sofern jährlich eine Inflation von 2 % vorherrscht, dass ein Sparer nach 40 Jahren mit einer Inflation von 80 % zu kämpfen hat. D.h. die von ihm möglicherweise eingezahlten 100.000 € sind dann vereinfacht gerechnet nur noch 20.000 € wert.

An dieser Stelle ist es schwierig, ordentliche  Geldanlagen zu finden, welche zum einen sicher sind und welche diesen Kaufkraftverlust aufgrund der Inflation wieder ausgleicht. Physische Edelmetalle bieten hier – im übrigen seit Jahrhunderten – wohl den besten Schutz. Allerdig empfielt die Drei-Speichen-Regel, das Vermögen in im Wesentlichen 3 verschiedenen Anlagenklassen anzulegen (Immobilien, Unternehmensbeteiligungen, Liquidität).

Informieren Sie sich ausführlich, damit Sie Ihre Lebensleistung in Form von Ersparnissen auch in Krisenzeiten nicht vollständig verlieren.

Die Zeit drängt!

 

 

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