Care-Energy: Nachforderung aus Schlussrechnung durch Insolvenzverwalter bzw. EWD Inkasso rechtmäßig?

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Viele Verbraucher haben bei Care Energy einen Stromlieferungsvertrag unterzeichnet. Bei der Abwicklung tauchen nun jedoch Forderungen auf, die durch den Insolvcenzverwalter bzw. ein Inkasso- Unternehmen gefordert werden. Aus unserer Sicht zu Unrecht, da bereits unklar ist, wer Inhaber der vermeintlichen Forderung ist und zudem die Schlussabrechnung Mängel aufweist.

Das AG Bremen hatte über das Vermögen der

  • Care-Energy AG (Beschluss vom 16.08.2017 – 504 IN 2/17) und
  • Care-Energy Management GmbH (Beschluss vom 11.07.2017 – 504 IN 3/17)

das Insolvenzverfahren eröffnet und Herrn Rechtsanwalt Jan H. Wilhelm aus Bremen zum Insolvenzverwalter ernannt.

 

  1. Nachforderung durch Insolvenzverwalter

 

Der Insolvenzverwalter fordert nunmehr die ehemaligen Kunden auf, eine angebliche Forderung aus der Schlussrechnung der Care-Energy Management GmbH zu zahlen. Allerdings sollte nach unserer Auffassung geprüft werden, ob der Anspruch des Insolvenzverwalters tatsächlich besteht. Unberechtigte und strittige Forderungen sollten keineswegs bezahlt werden.

Grundsätzlich sollten sich die Kunden durch das Schreiben des Insolvenzverwalters nicht verunsichern lassen. Vielmehr ist in jedem Einzelfall sorgfältig zu prüfen, ob die Forderung tasächlich besteht und mit welcher Wahrscheinlichkeit  der Insolvenzverwalter seinen Anspruch im Streitfall durchsetzen kann.

 

  1. Mahnung durch EWD Inkasso GmbH

Sofern die Kunden die Schlussrechnung zunächst nicht zahlen, erhalten sie eine Zahlungsaufforderung von der EWD Inkasso GmbH aus Köln.

Viele fühlen sich unter Druck gesetzt und zahlen. Dabei reicht es aus, der Forderung einfach zu widersprechen bzw. zu bestreiten.

Auf jeden Fall ist weder die vorschnelle Zahlung noch ein Ignorieren  angebracht. Wenn Sie unsicher sind, prüfen Sie die Rechnung und die von Ihnen bereits erbrachten Zahlungen anhand ihrer Kontoauszüge oder lassen Sie die Forderung ggf. durch einen Anwalt prüfen.

 

  1. Schlussrechnung prüfen

 

Grundsätzlich müssen die ehemaligen Kunden auch nach der Insolvenz des Unternehmens an den Insolvenzverwalter die Nachforderung aus der Schlussrechnung zahlen, wenn diese berechtigt und ordnungsgemäß ist.  Es gilt die gesetzliche Pflicht jedes Energieanbieters, eine korrekte und nachvollziehbare Schlussrechnung zu erstellen. Solange keine korrekte Schlussrechnung vorliegt, muss man nicht zahlen.

Mögliche Gründe für eine Beanstandung können sein:

 

a) Abschläge, Guthaben, Bonus

Des Weiteren ist zu prüfen, ob geleistete Abschläge, ein Guthaben oder ein Bonus berücksichtigt wurden.


b) Zählerstand

 Außerdem sollten die Zählerstände, der Verbrauch und die Zählerdaten überprüft werden.

 c) Nachweis der Forderungsinhaberschaft

 Stromkunden haben meist einen Vertrag mit der mk-power Ihr Energiedienstleister GmbH & Co. KG geschlossen. Im Einzelfall ist aber die Vertragssituation keinesfalls immer eindeutig.

Letztendlich ist zweifelhaft, ob  die Care-Energy Management GmbH Inhaber der Forderung geworden ist. Der Insolvenzverwalter muss den behaupteten Übergang der Forderung durch Abtretung ausreichend darlegen und beweisen.

 

d) Widerspruch, Anforderung einer korrigierten Abrechnung

Sofern die Schlussrechnung nicht ordnungsgemäß erfolgte, dürfen Sie die Zahlung verweigern. Wichtig ist aber, dass Sie der Forderung schriftlich widersprechen.

Teilen Sie Ihre Einwendungen dem Insolvenzverwalter per Einschreiben/Rückschein, am besten aber vorab per Fax oder E-Mail, mit und fordern Sie diesen zur Stellungnahme und Übersendung einer ordnungsgemäßen Schlussrechnung auf. Setzen Sie eine Frist von 2 Wochen (genaues Datum).

Hat der Insolvenzverwalter ein Inkassounternehmen beauftragt, obwohl Sie gegen ihn einen berechtigten Widerspruch eingelegt haben, halten Sie den Widerspruch gegenüber dem Inkassounternehmen aufrecht. Wenden Sie sich schriftlich an das Inkassounternehmen und widersprechen Sie der Hauptforderung und der Inkassokosten. Teilen Sie ggf. mit, dass Sie der Rechnung bereits beim Insolvenzverwalter widersprochen haben und diesen Widerspruch aufrecht erhalten. Legen Sie eine Kopie Ihres Widerspruchs anbei.


e) neue Bankverbindung des Insolvenzverwalters beachten

 Sofern gegen die Abrechnung keine Einwendungen erhoben werden können, ist zudem die Zahlung an den Insolvenzverwalter zu leisten.

 

  1. Fazit

 

Eine vollständige Prüfung der Rechtslage ist hier nicht möglich und ersetzt daher eine anwaltliche Beratung nicht.

 

Sofern der Insolvenzverwalter bzw. das Inkassobüro auf die Zahlung besteht und eine gerichtliche Geltendmachung androht, empfehle ich jedem Kunden die Zahlungsaufforderung des Insolvenzverwalters durch einen Anwalt prüfen zu lassen. Nach ausführlicher Beratung (Prüfung der Erfolgsaussichten, Abwägung des Kostenrisikos) kann der Kunde entscheiden, ob er gegen den Insolvenzverwalter bzw. das Inkassobüro vorgehen will.

 

  1. unser Angebot – kostenfreie Ersteinschätzung

 

Ob die Energiekosten zu Recht oder zu Unrecht vom Insolvenzverwalter verlangt werden, bedarf einer fachgerechten Prüfung. Wir können diese für Sie im Rahmen einer kostenfreien Ersteinschätzung vornehmen. Übersenden Sie uns dazu bitte folgende Unterlagen:

 

– Schlussrechnung

– Aufforderungsschreiben des Insolvenzverwalters

– Aufforderungsschreiben der EWD Inkasso GmbH

– sämtlicher Schriftwechsel

– Auftragsformular der mk-power

– Vertragsbestätigung

– ggf. Ihr Widerspruch gegen die Schlussrechnung

– welche Einwände wurden bereits erhoben (z. B. Zählerstand, Abschläge)

 

Die Einschätzung ist rechtlich unverbindlich. Das weitere Vorgehen erfolgt nach Absprache. Dabei werden wir dann ebenso die für die anwaltliche Tätigkeit entstehenden Kosten besprechen.

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Dann rufen Sie uns an, bzw. schicken Sie uns eine E-Mail, gegebenenfalls mit den entsprechenden Unterlagen.
Telefon: 0381 / 440 777 0
E-Mail: info@ra-spiegelberg.de
Holger Spiegelberg
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Bank– und Kapitalmarktrecht
Rostock

 

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