In Deutschland stehen aktuell ca. 36.000 Windanlagen, die maximal 78 GW (Gigawatt) an Leistung erzeugen können. Zudem existieren 5,7 Millionen PV Anlagen (Solar) zu, welche maximal 122 GW an Leistung erzeugen können.
1.
Zusammen können diese Anlagen theoretisch maximal somit 200 GW Leistung erzeugen. Deutschland braucht im Durchschnitt in jeder Sekunde ca.53 GW.
An Tagen mit gutem Wind und ohne Bewölkung kann – ohne dass Anlagen abgeschaltet würden – somit 200 GW und daher 4 x so viel Strom erzeugt werden wie gebraucht wird.
Es gibt somit einen Überschuss von 150 GW.
Dieser Überschuss ist für das Stromnetz ein Problem, welches durch Abschaltung gelöst werden kann. Teilweise kann dies auch in Batteriespeichern eingespeichert werden.

Was aber, wenn einen ganzen Tag – 24 h – kein Wind und keine Sonne vorhanden ist.
Wie lange reichen die bislang installierten Batteriespeicher und was bräuchte man an weiteren speichern, um zumindest einen ganzen Tag den Stromverbrauch daraus zu generieren? Nur angemerkt sei, dass diese Rechnung nur den Strom betrifft, die Versorgung des Landes mit Wärme (Heizung etc. ) ist damit noch nicht umfasst.
2.
Die Antwort darauf ist … Ja – für einen einzelnen Tag ist das technisch realistisch, aber Deutschland hat heute noch längst nicht genug Batteriespeicher, um einen ganzen Tag allein aus Batterien zu überbrücken. Wichtig ist außerdem: „24 Stunden ohne fossile Stromerzeugung“ ist deutlich leichter als „24 Stunden ohne jegliche Stromerzeugung“.
2025 lag die deutsche Netzlast bei rund 465,9 TWh pro Jahr. Das entspricht durchschnittlich etwa 1,28 TWh Strom pro Tag bzw. einer mittleren Leistung von rund 53 GW.
Nehmen wir somit den einen extremen Fall an:
24 Stunden lang praktisch kein Wind, keine Sonne und auch sonst keine Erzeugung: Dann müsste man ungefähr 1.300 GWh bereitstellen. Wegen Speicherverlusten und Sicherheitsreserven sollte man daher eher mit 1.400–1.500 GWh nutzbarer Speicherkapazität rechnen.
Zum Vergleich: Ende 2025 waren in Deutschland nur etwa 24–25 GWh Batteriespeicher installiert, davon knapp 20 GWh in Heimspeichern und lediglich etwa 3,7 GWh in Großbatterien.
Das ergibt ungefähr:
Stromverbrauch Deutschlands pro Durchschnittstag ~1.280 GWh
Batteriespeicher Ende 2025 ~24 GWh
Verhältnis ~1,9 %
Rechnerische Reichweite bei 53 GW Last ~27 Minuten
Dabei ist die letzte Zahl sogar optimistisch, weil nicht sämtliche Heimspeicher gleichzeitig dem öffentlichen Netz zur Verfügung stehen.
3.
Aber das ist nicht das eigentlich sinnvolle Ziel
Für einen Tag ohne Kohle und Gas müssten wir keineswegs den kompletten Tagesverbrauch speichern.
Beispiel: An einem Tag könnten Wind, Solar, Biomasse, Wasserkraft und Importe durchschnittlich 40 GW liefern, während Deutschland 55 GW benötigt. Dann fehlen nur 15 GW.
15 GW × 24 h = 360 GWh.
Wenn tagsüber zusätzlich ein großer Solarüberschuss entsteht, könnten Batterien beispielsweise mittags geladen und abends wieder entladen werden. Dafür sind Batterien sehr gut geeignet.
Genau in diese Richtung geht die Entwicklung. Fraunhofer ISE modelliert für 2030 je nach Szenario etwa 100–170 GWh Batteriespeicherbedarf. Und der Ausbau beschleunigt sich erheblich: Für Batteriespeicher gab es 2025 bereits Netzanschlusszusagen in Größenordnungen von Dutzenden GWh.
Der wichtigster Punkt wäre deshalb:
Einen durchschnittlichen deutschen Stromverbrauch von 24 Stunden vollständig in Batterien zu lagern, wäre technisch möglich, aber wirtschaftlich wahrscheinlich nicht die optimale Lösung. Ein System aus **Wind + Solar + Batterien für Stunden + Wasserkraft/Pumpspeicher + europäischen Stromleitungen + steuerbaren Verbrauchern + längerfristigen Speichern bzw. Reservekraftwerken** benötigt erheblich weniger Batteriekapazität.
4.
Nun ein hartes, aber anschauliches Szenario:
Deutschland soll 24 Stunden ohne Kohle und Gas auskommen, und ausgerechnet an diesem Tag liefern Wind und Solar sehr wenig. Dazu nehmen wir die 2025er Stromnachfrage als Ausgangspunkt.
2025 betrug die Netzlast rund 465,9 TWh, d.h. durchschnittlich ca. 53 GW Leistung.
a) Extremfall: praktisch kein Wind und keine Sonne
Wir müssen nicht die gesamten 1.276 GWh (1 ganzer Tag) speichern, weil Biomasse und Wasserkraft weiter Strom erzeugen können. 2025 erzeugten sie zusammen ungefähr 54 TWh fürs öffentliche Netz, also ca. 6 GW in jeder Sekunde.
Ganz vereinfacht für 24 h:
Strombedarf 1.276 GWh
Biomasse + Wasserkraft − ca. 145 GWh
Restbedarf ≈ 1.130 GWh
Speicherverluste + Reserve + ca. 15 %
benötigte Batterie ≈ 1.300 GWh
Das bedeutet also ungefähr 1,3 TWh Batteriespeicher .
Deutschland hatte Ende 2025 aber erst rund 24–25 GWh Batteriespeicher.
Das bedeutet, für diesen Extremfall bräuchten wir also grob 50-mal so viel Batteriekapazität wie Ende 2025 vorhanden war.
b) Realistischere Variante
Eine Dunkelflaute bedeutet nicht zwingend, dass sämtliche Windräder und Solaranlagen exakt 0 Watt produzieren.
Nehmen wir beispielsweise an, Wind und Solar liefern trotz schlechter Bedingungen durchschnittlich noch 15 GW und Biomasse/Wasser weitere 6 GW, zusammen gerechnet also 21 GW. Für die stets benötigten 53 GW fehlten dann 32 GW
Dann fehlen für 24 Stunden:
32 GW × 24 h = 768 GWh
Mit Verlusten und Reserve wären ungefähr 850–900 GWh Batterien erforderlich.
5. Dann 2 weitere Aspekte – Entladezeit und Wiederaufladung
Ein Speicher muss außerdem schnell genug entladen können.
Angenommen, wir haben 600 GWh Batterien, aber sie können zusammen nur 20 GW liefern. Dann reicht die Energie zwar theoretisch lange, aber Deutschland fehlen in unserem Beispiel momentan 32 GW.
Man braucht also sowohl ungefähr
600 GWh Energie als auch mindestens ~25–30 GW Entladeleistung.
Interessanterweise waren Ende 2025 bereits etwa 16 GW Batterieleistung installiert, obwohl die Energieinhalt-Kapazität nur rund 24 GWh betrug. Deutschlands Batterien sind momentan also vor allem für kurze Zeiträume ausgelegt.
6. Was würde das kosten?
Hier wird die Rechnung sehr unsicher, weil Großspeicherpreise stark von Projekt, Netzanschluss, Leistung, Speicherdauer und zukünftigen Batteriepreisen abhängen.
Nehmen wir zur Illustration langfristig durchschnittlich 200 €/kWh für komplett installierte Speicherkapazität an.
600 GWh sind: 600.000.000 kWh**
also: 600 Mio. × 200 € = 120 Milliarden €
Bei 250 €/kWh wären es 150 Milliarden €.
Das ist viel Geld, aber über beispielsweise 15 Jahre Ausbau verteilt wären 120 Mrd. € durchschnittlich etwa 8 Mrd. € Investitionen pro Jahr. Das ist nur eine Größenordnungsrechnung, keine Kostenprognose.
7. Der entscheidende Haken: Was passiert bei 3–7 Tagen Dunkelflaute?
Hier wird die reine Batterielösung problematisch.
Bei unserem Defizit von 32 GW:
1 Tag → 0,53 TWh
3 Tage → 1,58 TWh
5 Tage → 2,64 TWh
7 Tage → 3,70 TWh
Für einige Stunden bis etwa einen Tag können Batterien daher sehr attraktiv sein.
Für eine mehrtägige Dunkelflaute wird es zunehmend ineffizient, riesige Batteriemengen zu bauen, die möglicherweise nur wenige Male im Jahr vollständig benötigt werden.
Deshalb sehen Energiesysteme typischerweise eine Kombination vor:
Wind + Solar → Batterien für Stunden → europäischer Stromhandel → Lastverschiebung → Pumpspeicher → für seltene lange Dunkelflauten steuerbare Kraftwerke/Langzeitspeicher.
Und hier liegt meines Erachtens auch der wichtige Unterschied zu unserer vorherigen Norwegen-Diskussion: Deutschland braucht Norwegen nicht unbedingt, um einen normalen Abend nach Sonnenuntergang zu überstehen. Das können große Batteriespeicher zunehmend übernehmen. Interessant werden Norwegen und andere Nachbarländer insbesondere dann, wenn mehrere Tage gleichzeitig wenig Wind und Sonne vorhanden sind.
8. Fazit
Deutschland hat aktuell also Erzeugungskapazität aus Wind und Solar von 200 GW.
Das Problem ist daher langfristig weniger …..
Kann Deutschland genug Leistung installieren?
als…..
Wie überbrückt man kostengünstig die seltenen langen Erzeugungstäler?
Das Thema bleibt also weiterhin spannend